
Prolegomena in das Studium des Buches Abraham
Hugh W. Nibley
Übersetzt von Henry Kosak und Rene Eichhorst
Am 27.November 1967 übergab das "Metropolitan Museum of Art" der Kirche, als ein Geschenk, Ägyptische Papyri, die einst dem Profeten Joseph Smith gehörten und von ihm studiert wurden. Dies war weit mehr als nur ein bedeutsamer Geschäftsabschluß, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag, denn es führte uns das erste Mal, seit der Engel Moroni die goldenen Platten zurückgenommen hatte, ein greifbares Glied zwischen den Welten vor Augen. Was wir hier haben, ist mehr als ein paar Routinegekritzel von schlecht ausgebildeten Schreibern von vor langer Zeit; wenigstens eines dieser Dokumente wurde der Welt durch Joseph Smith als Angebot eines kurzen und privilegierten (gestatteten) Einblicks in die seltsame Welt der Patriarchen präsentiert. Es war eine solch seltsame Welt, daß die Ägyptologen, die gebeten wurden, ihre Meinungen über die Lehren des Profeten zu äußern, vor Empörung nur noch schnauben und plappern konnten. Und sie werden Gleiches wahrscheinlich wieder tun, denn der Herr beabsichtigt einfach nicht, diese ganze Angelegenheit an dieser Stelle auf sich beruhen zu lassen.
Es ist fast sicher, daß das "unter-die-Nase-halten" der Papyri in etwa denselben Effekt auf die LDS-Lehrer hat, wie der Erfolg des ersten Sputniks auf die Amerikanische Erziehung im allgemeinen hatte. Über die Jahre hinweg, so wird man sich erinnern, konnten sich die Pädagogen immer wieder selbst rückversichernd beruhigen: "Da die Öffentlichkeit unsere Ergebnisse gebilligt hat, und falls die Öffentlichkeit mit dem zufrieden ist, was wir tun - ist es das, was zählt - und die öffentliche Meinung sollte besser auch damit zufrieden sein, denn schließlich sind die Experten!" Da nun niemand die Gelehrten zu einer Abrechnung ihrer Ergebnisse aufforderte, hatten sie eine schöne Sache am Laufen (eine recht bequeme öffentliche Stellung), bis aus dem verwobenen Dickicht die ominösen kleinen Zweideutigkeiten auftauchten. Auf die gleiche Art und Weise können einige verblaßte und zerfetzte kleine Reste von Papyrusrollen dazu dienen, die Heiligen der Letzten Tage daran zu erinnern, wie sträflich sie ernsthaftes Forschen vernachlässigt haben.
Es gibt auch keinen Mangel an Menschen, die Bücher und Artikel veröffentlichen, Symposien abhalten, Unterricht und Lektionen über die Geheimnisse der Köstlichen Perle geben, aber die kostbaren Papyri selbst, welche Gegenstand so vieler weiser Reden, über die Jahre hinweg wurden, sind mit beschämender Stille zur Kenntnis genommen worden. Es wird berichtet, daß, als die Chinesen in ihren ersten Flottenbegegnungen mit den Europäern herausfanden, daß ihre eigenen Boote keine Konkurrenz für die europäischen Dampfboote waren, sie anfingen, Trichter auf ihren Dschunken aufzurichten, in denen sie Stroh abbrannten, um mit der gewaltigen Erscheinung des Feindes wetteifern zu können. Die nachgeahmten Dampfboote befriedigten die Chinesen zweifellos, und sie machten auch einen guten Eindruck, solange sie sich nicht wirklicher Dampfboote erwehren mußten. Genauso ist es mit unserer Mormonengelehrsamkeit - emsig dabei, die Erkenntnisse der Welt, in ihrer sicheren und bequemen Isolation, nachzuahmen (nachzuäffen). Es war über Jahre hinweg möglich gewesen, von Zeit zu Zeit die Dienste der weltbesten Ägyptologen und Archäologen für einen Bruchteil der Kosten, die, sagen wir, eine örtliche Anschlagbrettkampagne gekostet hätte, um dem Image der Universität Glanz zu verleihen. Nicht nur unser Image hat bei einer solchen tragischen Vernachlässigung gelitten, sondern jetzt, im Moment der Wahrheit, müssen sich die Mormonen unvorbereitet der Welt stellen, nachdem ihnen hundertjährige, faire Warnung zu Teil wurde.
Wir können nicht unter Berufung einer Vorsicht, unserer Verantwortung entfliehen. Wenn Sie vorsichtig sein wollen, vergessen Sie das Buch
Mormon, vergessen Sie die Köstliche Perle! Wenn Sie einmal die Joseph Smith Interpretationen der Faksimiles letztlich akzeptiert (für sich als wahr erkannt) haben, haben Sie letztendlich die Vorsicht in den Wind geschlagen, und Sie sollten besser anfangen, sich eine Verteidigung zu erarbeiten - denn durch diese Interpretationen forderte der Profet die Welt heraus, ihr "Schlimmstes" zu tun, und über Jahre hinweg haben die Führer der Kirche, ohne die Fähigkeiten des Profeten zu besitzen, die Sachlage so akzeptiert, daß, wenn die Welt Joseph Smith Fehler nachweisen könnte, wir ihre Ergebnisse akzeptieren sollten.
Dem verpflichtet, und mit einer angemessenen Warnung auf dem Weg ausgestattet, haben die Mormonen selbst diese unangemessene Verurteilung verdient, welche die Welt gegen sie und den Profeten 1912 hervorbrachte, als acht Berufsgelehrte Joseph Smith's Interpretationen der Faksimiles als absolut lächerlich verdammten; aber hätte nur einer der Heiligen während des letzten Jahrhunderts die Mühen auf sich genommen, den tatsächlichen Stand der weltlichen Studien der Ägyptologie nachzuforschen, wäre eine einfach aufzuzeigende Sache gewesen, wie abgrundtief und unpassend die Aufführung des Experten-Ausschusses des Dr. Spalding wirklich war.
Die Entzifferung von Hieroglyphen war immer schon ein bevorzugtes Aktionsfeld für jene gewesen, die eine Abkürzung des allgemein notwendigen Weges suchten, um "Faustianischen Ruhm" zu erlangen. Selbst der große Leibniz war davon überzeugt, daß er den Schlüssel zum Ägyptischen im armenischen Sprachschatz gefunden habe, und eine lange Aufreihung kleiner Lichter von Gelehrten kam in den Tagen vor Joseph Smith mit ihren verschiedenen Lösungen herab, und jeder ist in seiner Zeit entsprechend in Verruf gebracht worden. Der Beachtenswerteste von diesen war der gelernte Jesuit Athanasius Kircher (1601-1680), der Erwähnung verdient, da sein Name oft in den Studien von Joseph Smith vorkommt.
Tatsächlich, als einige der Ägyptologen, die den Profeten 1912 verdammt hatten, später einige Sachverhalte untereinander in Chicago besprachen, kamen sie zum Schluß, daß Smith am besten als ein weiterer Athanasius Kircher beschrieben werden konnte, und einige Ägyptologen (erwähnenswert E.A.W.Budge) behaupteten sogar, daß Joseph Smith seine Ideen aus dem Buch Abraham in Wirklichkeit aus Kircher's Werken entwickelt habe. Aber wenn Joseph Smith jemals eines der Kircher Bücher über Ägypten gesehen hat, was zweifelhaft ist, da selbst zu seiner Zeit solche Bücher außerordentlich seltene Sammlerstücke waren, und wenn er in der Lage gewesen wäre Kircher's unbeholfenes Latein zu lesen, müßten seine eigenen Ideen mit etwas Ähnlichkeit zu denen von Kircher getragen sein - was sie aber nicht sind. Es wäre wirklich sehr schwer, einen komplexeren Unterschied zwischen zwei Menschen zu finden, als den, der zwischen diesen zwei bestand.
Kurz gesagt, Kircher hatte, vom Beginn bis zum Ende, alle öffentlichen Pathien für sich. Gehuldigt, als der ideensprühendste Geist seines Zeitalters, war er der nahezu umfassenden Unterstützung und Anerkennung von Gelehrten aus allen Ländern gewiß, selbst der aus Amerika, und auch der gewichtigen Unterstützung von Päpsten und Kaisern. Von seinem 30.Lebensjahr bis zum Ende seines langen Lebens war es ihm vollkommen freigestellt, sich ohne Unterbrechung dem Studium zu widmen, und es wurde ihm niemals etwas vorenthalten, was er erbat. In soweit kommt dieses der Lebensgeschichte Joseph Smiths kaum nahe. Kirchers Leben, gemäß seiner Biographen, war vollständig ereignislos, "laborieuse et banale", und obwohl alles bei ihm sehr vielversprechend begann, wurde er jedoch sehr schnell von Widerwillen und Teilnahmslosgkeit übermannt, unfähig, die Kritik zu ertragen, die unvermeidlich war auf sein Drängen nach Allwissenheit, wurde er menschenscheu und ein Einsiedler. Noch weniger dem gleich, wie Joseph Smith war.
Aber was kann von seiner Arbeit berichtet werden? Von den 44 gelehrten Bänden, die aus seiner Feder stammten, ist nichts übriggeblieben, das, auch nur im entferntesten Sinne, noch als nutzbar für Irgendjemanden erscheint! Von seinen zahlreichen Arbeiten über die Ägyptologie ist die Oedipus Aegyptiacus die größte, ein Werk in vier Foliantbänden, wofür er mehr als 20 Jahre harter Arbeit verbrachte. Es ist, um seine Biographen zu zitieren, "folie"- in allen vorstellbaren Arten von Information "drängt es jeden anderen in eine komplette Verwirrung. Wir schauen vergebens nach einem allumfassenden Plan, einer allumfassenden Ordnung oder Logik in diesem Gesamtwerk. Nach sorgfältigem Studium kommt man schließlich zu dem Schluß, daß ein vergebliches Verlangen nach Gelehrsamkeit und eine wahrlich infantile Entfaltung wissenschaftlichen Strebens alles waren, was die Feder Kirchers führte." Im Gegensatz dazu haben wir das Buch Mormon, erschaffen aus einem Vokabular von nur 3000 Worten und ohne den Versuch tiefsinnig und gescheit zu sein, aber - es ist ein Wunder an Klarheit und verdichtetem Zusammenhang. Kircher, das ist sicher, war wie Joseph Smith tief religiös, aber wieder mit einem vollkommen entgegengesetzt ausgerichteten Bestreben; denn während Kircher niemals zugestand, daß auch nur eine einzelne Silbe aus der Bibel Gegenstand von irgendwelchen Fragen werden könne, schockierte Smith die Welt nicht nur, weil er Schriften der Bibel anfügte, sondern auch, weil er erklärte, daß die Heiligen Schriften gezeichnet seien von den Fehlern ihrer menschlichen Verwalter, selbst die ersten Verse der Bibel sind "von einigen alten Juden ohne irgendeine Vollmacht" geändert worden.
Und während Kircher fälschlicherweise ein perfektes Wissen vieler exotischer Sprachen für sich beanspruchte, während die Welt dabeistand und ihm applaudierte, machte Joseph Smith kein Geheimnis aus seiner Fehlbarkeit und behauptete auch nicht, außer von Englisch, eine Sprache zu beherrschen.
In den wenigen Fällen, in denen Athanasius Kircher richtig lag - es kommt nicht darauf an, wie er es zustandebrachte - wurde ihm volle Anerkennung für seine Leistung zuteil, während Joseph Smith in den vielen, vielen Fällen, in denen er mitten ins Schwarze traf (wiederum ohne Bewertung -Wie), niemals eine Anerkennung erhielt.
Das Beispiel von Kircher ist weniger bedeutsam für das Licht, das es auf Joseph Smith wirft, als es die Warnung ist, welche es der Jugend Zion beschert, die nur zu sehr geneigt war, in der Wahlmöglichkeit zwischen den lehrreichen und religiösen Aufarbeitungen von Smith und Kircher, dem Athanasius Kircher zu folgen.
In erster Linie, weil die Ägyptische Sprache in Bildschriften verfaßt ist, war es eine recht gebräuchliche Handhabung, seit Horapollon dieses im 5.Jahrhundert einführte, gewesen, einen Schlüssel zu den Hieroglyphen zu finden, indem man eine Symbolübersetzung zu jedem der kleinen Bilder attributierte und dann diese Symbole so zusammenfügte, das man etwas sinnvolles daraus entnehmen konnte. Das war die Methode von Athanasius Kircher, und durch die ganzen Jahrzehnte quälte er sich immerzu mit großer Geduld und Geschicklichkeit, feine und tiefgründige Verbindungen zwischen den kleinen Bildern und Inschriften herauszustellen.
Mit tiefer Logik und Methodik (schließlich war er Jesuit) arbeitete er jeden Punkt aus, und wenn er damit fertig war, war er in der Lage, die Resultate seiner Arbeit mit einer tiefen inneren Genugtuung zu beschauen; man kann zusammenfassend sagen: wenn hunderte individueller Figuren einer Inschrift einen guten Sinn unabhängig ergeben, und dann zusammengefügt in einem Muster, diese einen genauso guten Sinn ergeben, dann kann das gewiß kein Zufall sein - die Chancen, gegen ein so vollkommenes Zusammentreffen von Figuren und Bedeutungen aufzutreten, und dies als bloßer Zufall darzustellen, sind jedoch verschwindend gering. Man kann diese gleiche Logik auch in unseren Tagen erleben, wie sie angewendet wird auf zweifelhafte, schadhafte, spärliche und einzeln herausgenommene Figuren, die in der Neuen Welt auftauchen, die ordnungsgemäß als ägyptische Glyphen erklärt und durch die Kircher Methode interpretiert wurden, mit einem hinzugefügten Element phonetischer Manipulation als Schlußstrich unter dieses intrigante Spielchen.
Es ist seltsam, wie diejenigen, die sich hastig vor einer kurzen Prüfung in elementarem Ägyptisch - fünf Sätze Englisch in Ägyptisch sagen und umgekehrt- selbst entschuldigen, aber mit professioneller Sicherheit über die Bedeutung ägyptischer Kryptogramme der schwerverständlichsten und schwierigsten Art reden können. Lassen wir hier Kircher ein Beispiel und eine Warnung für uns alle sein.
Gefährlicher war Kirchers Gewohnheit, Gott für seine Inspiration in der Verübung seiner philologischen Greuel tiefempfundenen Dank entgegen zu bringen. Dies tat er über Jahre hinweg - es war aber in Wirklichkeit eine Art von Schwindel. Der Student, der mir sagt, daß wenn ich es ablehne, seine inspirierten Interpretationen über die Faksimiles oder die Anthon Abschrift oder die Geographie des Buches Mormon oder Indianische Glyphen zu akzeptieren, ich auch die Lehre der fortlaufenden Offenbarung verachte, schwindelt auch, so wie jener, der mich beschuldigt, die Kraft des Gebetes zu leugnen, wenn ich ihm das "D" (Schulnote 4) gebe, das er verdient, anstatt das "A", wofür er betete. Was diese Menschen vergessen, ist, daß eine Offenbarung nicht übertragbar ist. Wenn ich träume, daß mein Urgroßvater in Halifax lebte, kann das mir in meinen genealogischen Forschungen wesentlich helfen, aber die Genealogische Gesellschaft wird nicht im geringsten von meinem Traum interessiert sein.
Nicht, weil sie nicht an die Offenbarung glaubt, sondern weil sie weiß, daß die Offenbarungen eines Menschen streng seine eigene Angelegenheit sind, und nur ihn etwas angehen; viele vereinzelte Offenbarungen haben zu einem dokumentarischen Beweis in der Genealogie geführt, aber Salt Lake ist nur an Dokumenten interessiert.
Kircher nutzte die Berufung auf göttliche Hilfe als eine Abkürzung, um sich Arbeit zu ersparen, die er selbst hätte tun können, aber nicht tat. Wenn es auch nur ein moralisches Prinzip gibt, das den Mormonismus am besten charakterisiert, dann ist es die Lehre, daß Gott von uns erwartet, die Mittel auszuschöpfen, deren wir fähig sind, ehe wir die übernatürliche Hilfe beanspruchen: Joseph Smith, unser größter Profet, wandte es selbst in seinem kurzen Leben an, alles mit Anstrengung zu lernen, dessen er im Hebräischen, Griechischen und Deutschen fähig war. Wenn er nicht immun war, auf die harte Tour zu studieren, warum sollten die Nachfolger in unserer Zeit nach religiösen Abkürzungen der Allwissenheit Ausschau halten, so wie es Athanasius Kircher tat?
Das bringt uns zu dem Thema der Ägyptischen Grammatik von Joseph Smith, denn eine überraschende Anzahl von Menschen hat kürzlich Studien über dieses beachtliche Werk unternommen. Dieser Schriftsteller jedoch hat niemals mehr als fünf Minuten mit der Ägyptischen Grammatik verbracht, und beabsichtigt auch nicht, dies zu tun, bis er es tun muß. Als nun Gruppen in Salt Lake Fotografien dieses Dokumentes beschafften und kopierten, annoncierten sie es mit dem üblichen Sensationalismus - "Verborgenes Dokument enthüllt. Joseph Smith's Ägyptisches Alphabet und Grammatik, unterdrückt für 130 Jahre, kommt nun ans Tageslicht. Dieses Dokument beweist, daß Joseph Smith kein Ägyptisch verstand und daß das Buch Abraham ein Werk seiner Phantasie war!" Joseph Smith hat niemals vorgegeben, Ägyptisch zu verstehen, noch, daß das Buch Abraham eine Arbeit seiner Gelehrsamkeit war: wenn dieses Dokument, wie es angekündigt, überhaupt etwas beweist, dann doch nur, daß einige Menschen sämtliche Register von üblen Tricks ziehen, um aus einer Maus einen Elefanten zu machen. Wenn nun das sogenannte Alphabet und die Grammatik als eine inspirierte Mitteilung gemeint waren, hätte man sie auch als solche veröffentlicht und nicht "verborgen" oder "unterdrückt für 130 Jahre". Es war aus demselben Grund verborgen wie die Wäschelisten Brigham Youngs verborgen und unterdrückt waren, weil niemand sich darum kümmerte.
Lassen Sie uns Joseph Smith, zumindest vorläufig, den Luxus einer kleinen Heimlichkeit nachsehen, einer kleinen Spekulation seiner selbst, dort auf seinen Händen und Knien im vordersten Zimmer des Mansion Hauses - mit Papyrusrollen, die um ihn herum auf dem Boden verteilt lagen. Die Tatsache, daß er seine Aufzeichnungen strikt für sich behielt, ist Beweis genug, daß sie sein Eigen waren und nur für ihn bestimmt und niemals als eine Botschaft für die Kirche gemeint waren.
Dies ist ein sehr wichtiger Punkt. Der ganze Feldzug gegen das Buch Abraham hat sich in der Vergangenheit einzig auf den völlig falschen Grundsatz gegründet, daß, was immer der Profet tut, von einer übernatürlichen Art sein muß und was immer er sagt, muß autorisierte Heilige Schrift sein, und daher, wenn ein Profet jemals kleinste Anzeichen von Schwäche oder irgendeiner sterblicher Einschränkung verrät, muß er notwendigerweise ein falscher Profet sein. Diese alberne Lehre ist eine Anschauung des tiefverwurzelten sektiererischen Glaubens, der sich dahingehend zeigt, daß, da die Bibel eine von Gott inspirierte Schrift ist, es unvorstellbar ist und unter gar keinen Umständen den geringsten Verdacht einer Fehlerstelle oder Ungenauigkeit in ihren Seiten gibt; in anderen Worten, was immer Gott an uns oder durch Menschen tut, es muß notwendigerweise absolut perfekt sein. Das war genau seine Verwerfung dieser Ansicht, die die Wut der Christlichen Welt auf das Haupt von Joseph Smith zu Beginn brachte. Die sektiererische Welt war niemals in der Lage, zu sehen, wie es möglich ist, Offenbarungen zu empfangen und doch durch Versuche und Fehler weiter zu lernen: Als Brigham Young mit Seidenraupen und Zuckerrüben experimentierte, disputierten jene, beweist das nicht, daß er ein falscher Profet sei? Denn sind nicht Profeten unfehlbar, und haben sie nicht von allem Kenntnis? Warum dann ein Experiment? Die Köstliche Perle selbst veranschaulicht das Ergebnis großartig. Die Faksimiles, wie wir sie jetzt haben, sind extrem schlechte Reproduktionen, weit minderwertiger als die Schnitte, die man 1842 veröffentlichte. Bin ich dann, als ein Mitglied der Kirche verpflichtet, die gegenwärtige offizielle Edition zu nutzen und einzig diese als fehlerlos zu betrachten, schlecht wie sie ist, nur weil es die offizielle Veröffentlichung der Kirche ist? Wer ist verantwortlich für den derzeitigen Status des Buches? 1903 trat James E. Talmage vor den Untersuchungsausschuß des Senats und erklärte:
Mr. Worthington: ...Lassen Sie mich etwas spezielles über die Köstliche Perle befragen. Haben Sie etwas mit der revidierten Edition dieses Werkes zu tun?
Mr. Talmage: Ich habe die Überarbeitung vorgenommen. Die letzte Edition der Köstlichen Perle, eines der Standardwerke, wurde durch mich, wie sie sich jetzt zeigt, auf folgende Weise geändert: der betreffende Abschnitt wurde mit dem Originalmanuskript verglichen, und die Aufteilung in Kapitel und Verse sowie Querverweise wurden von mir hinzugefügt.
Die Senatoren wollten wissen, welche Vollmacht Dr. Talmage in seinen eigenen inspirierten Schriften hineintrug, und er berichtete ihnen:
Mr. Worthington: Darf ich Sie über ... Die Glaubensartikel befragen. Sie sagen, sie waren durch hohe Kirchenbeamten bevollmächtigt, solch eine Arbeit vorzubereiten... und es war von einem Komitee hoher Kirchenbeamten, ernannt von der Präsidentschaft, genehmigt worden. Ist diese Arbeit oder irgendein Bestandteil dieser Arbeit bindend für jedes Mitglied ihrer Kirche?
Mr. Talmage: O, nein keineswegs.
Mr. Worthington (zurückgreifend auf frühere Bemerkungen von Talmage):
Ist es so, daß es der Kirchenkonferenz vorgelegt wird und von ihr angenommen werden muß, bevor es für jeden Mormonen verbindlich ist?
Mr. Talmage: mit absoluter Sicherheit...
Mr. Worthington: Gibt es irgendeinen Verlag, der bevollmächtigt ist, Arbeiten zu veröffentlichen und zu verschicken, welche die Kirche als Organisation verpflichten?
Mr. Talmage: Es gibt keinen solchen Verlag, den man benennen könnte...
Mr. Worthington: Die "Deseret News" wurde hier häufig als ein Organ der Kirche bezeichnet. Hat irgend jemand in ihrer Kirche die Macht, in der Deseret News irgendetwas auszudrücken, was nicht in den Standardwerken zu finden ist, das die Menschen ihrer Kirche verpflichten sollte, wenn es noch nicht als erstes von den Menschen angenommen wurde?
Mr. Talmage: niemand, nicht einmal der Präsident der Kirche... Keiner könnte irgendetwas als verbindlich durch einfache Veröffentlichung in der Deseret News, oder durch ein anderes Medium oder irgendeine andere Form ausdrücken.
Daher sollte für alle vollkommen klar sein, daß niemand durch etwas verpflichtet ist, was außerhalb der vier Standardwerke steht, und das, wenn man ein Ergebnis aus der sogenannten Ägyptischen Grammatik ziehen möchte, man an die Lehre der Unfehlbarkeit gebunden ist, die aber im Gegensatz zu den Lehren der Kirche steht.
Kommen wir nun zu der Papyridarstellung in diesem speziellen Abschnitt der BYU Studien.
Diese begleitenden Fotografien übermitteln ihre eigene Botschaft.
Gleich den drei Faksimiles, auf die die gelehrte Welt nach nahezu 130 Jahren mit Aufmerksamkeit gestoßen ist, sind sie jedermanns Spielball. Wenn zeitgenössische Ägyptologen etwas über dies zu sagen haben, warten wir begierig auf ihre Kommentare. Heute jedoch berichtet uns die wörtliche Übersetzung eines ägyptischen religiösen Textes nicht mehr darüber, was wirklich geschah, als es die Umsetzung einer außerordentlich technisch wissenschaftlichen Erklärung in mathematische Symbole den Geist eines kompletten Ignoranten der Wissenschaft und Mathematik erleuchten würde.
Führende Gelehrte der ägyptischen Religion versichern uns, daß all die Jahre über, in denen wir einen Satz von Symbolen in ein mechanisches Kauderwelsch übersetzt haben, wir in Wirklichkeit nichts verstanden haben, was die reale Natur des Symbols oder der Bedeutung des Kauderwelschs ist.
Jedes ernsthafte Studium des Buches Abraham muß hier begonnen werden.
Diese Bilder der ägyptischen Papyrusrollen des Joseph Smith und ein Verkaufsbrief wurden der Kirche vom New York Metropolitan Museum of Art am 27.11.1967 übergeben und sind hier mit Genehmigung der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage abgedruckt worden. Unsere Bezeichnung: "Die Buch-Abraham -Papyrusrollen", in einigen unserer Werbebroschüren, hat sich nicht mit der offiziellen Kirchenbezeichnung dieses Werkes gedeckt. Deshalb benutzen wir jetzt den Namen: "Die ägyptischen Papyrusrollen des Joseph Smith". Wir bedauern unseren Fehler.
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Nauvoo city 26.Mai 1856
Dieses bestätigt, daß wir an Herrn A.Combs vier ägyptische Mumien mit deren Aufzeichnung verkauft haben. Die Mumien wurden aus den Katakomben in Ägypten achtzehn Meter unter der Erdoberfläche von der Antiquarischen Gesellschaft von Paris geborgen & nach New York gebracht & käuflich erworben durch den Mormonen Profet Joseph Smith, zu einem Preis von vierundzwanzig hundert Dollar im Jahre achtzehnhundertfünfunddreißig. Sie wurden hochgelobt durch Herrn Smith bezüglich der Wichtigkeit, die sich zu aus der Aufzeichnung ergab, die rein zufällig, eingeschlossen in der Brust einer dieser Mumien gefunden wurde. Von den Übersetzungen des Herrn Smith der Aufzeichnung wurde herausgefunden, daß diese Mumien die Familie eines Pharaonen-Königs von Ägypten sind. Sie waren ausnahmslos im Besitz des Herrn Smith, bis zu seinem Tode & seitdem bei der Mutter von Herrn Smith. Ungeachtet dessen hatten wir unsere Angebote wiederholt, diese Mumien käuflich zu erwerben, die aber unveränderlich abgelehnt wurden, bis zu ihrem Tode, der am vierzehnten Tage des letzten Mais dieses Monats eintrat.
Nauvoo L.C.Bidamon
Hancock co Ills 26.Mai Emma Bidamon (ehemalige Frau von Jos. Smith)
Joseph Smith (Sohn von Jos Smith)
(Die fettgedruckten Worte wurden mit Bleistift geschrieben, der Rest ist mit Tinte geschrieben worden.)